Zeit und Gott

Vor kurzem führte ich eine hitzige Diskussion mit einem Freund. Es ging um die Zeit. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich als Teenager nicht an die Zeit glaubte. Ich war immer der Meinung, Zeit sei ein gesellschaftliches Konstrukt. Mir waren kausale Abläufe natürlich bewusst, jedoch sah ich diese als eine Veränderung der Materie an, nicht als vergehende Zeit.

Das Argument meines Freundes war, dass die Sonne am Mittag am höchsten steht und die Zeiger einer Uhr zeitgleich nach oben zeigten. Ich versuchte ihm zu erklären dass dies kein Beweis für Zeit sei, sondern lediglich fein abgestimmte Mechhanik. Eine Uhr misst die Zeit nicht, sondern ist so konstruiert dass sie den Tag/Nach-Zyklus imitiert. Eine Uhr alleine ist sinnlos, sie ist erst von nutzen wenn zwei Menschen an unterschiedlichen Orten Uhren besitzen, die synchron sind.

So unglaublich die Vorstellung von Zeit für mich als Teenager war, so befremdlich ist für mich heute die Vorstellung eines Raumes ohne Zeit. Seit die Relativität und die Zeitdilatation für mich verständlich wurden, ist die Zeit gar nicht mehr wegzudenken.

Diese Diskussion mit meinem Freund gab mir zu denken. Seit ich mich erinnern kann ist mir bewusst dass es Gott nicht gibt, sondern dass er ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Ich glaube nicht nur nicht an Gott, ich weiss dass es ihn nicht gibt. Doch genauso wusste ich als ich jünger war, dass es Zeit nicht gibt. Dieser Gedanke hat mir gezeigt, dass man nichts wissen kann, solange man es nicht beweist. Die meisten von uns sind in ihren Überzeugungen festgefahren, sind überzeugt etwas zu wissen. Doch was wäre, wenn wir alle unsere Überzeugungen ernsthaft hinterfragen würden?

Ich glaube, Gedanken wie diese treiben die Menschheit zur Forschung, die suche nach Beweisen um unsere Überzeugungen zu rechtfertigen.